Kontrolliertes Abbrennen Saubersdorf
Am Sonntag, 08. März 2026 fand das erste wissenschaftlich angeleitete kontrollierte Abbrennen im Rahmen des Waldfonds-Projekts EMERGE des Instituts für Waldbau der BOKU Wien und einer Brandschutzübung der Feuerwehren statt. Im Föhrenwald bei Saubersdorf (Niederösterreich) wurde auf drei Flächen Feuer als Werkzeug eingesetzt, um die Brandgefahr zu reduzieren und wissenschaftliche Daten zur Brandentwicklung zu sammeln.
Vegetation und Feuer
Vegetationsbrände gehören seit Jahrtausenden selbst in Mitteleuropa zur natürlichen, später auch anthropogen geförderten Störungsdynamik von Ökosystemen. Dabei gibt es an Feuer angepasste Vegetation, welche das regelmäßige Auftreten von Bränden für eine Erneuerung benötigt, und weniger angepasste Pflanzengesellschaften, für die Brände eine Störung in der Entwicklung darstellen. Mit Bränden geringer Intensität kommen viele Pflanzen durch unterschiedliche Strategien gut zurecht, problematisch wird es, wenn die Feuer zu intensiv sind oder zu häufig auftreten – was durch den Klimawandel und den menschlichen Einfluss geschehen kann.
Der weltweite Trend hierzu ist eindeutig: Vegetationsbrände werden intensiver und lassen sich trotz Maßnahmen wie z. B. der Bewusstseinsbildung nicht verhindern. Die einzige Möglichkeit, um gefährliche Extrembrände (großflächige Kronenfeuer im Funkenflug) zu unterbinden, ist das Brennstoffmanagement. Damit ist gemeint, die Menge oder die Struktur der brennbaren Biomasse zu reduzieren, sodass entweder gar keine Brände auftreten oder die Feuer nur eine geringe Intensität erreichen und damit beherrschbar bleiben. Zu den Möglichkeiten des Brennstoffmanagements zählen die Wald-/Landschaftspflege, der Waldumbau, Beweidung, Mahd bzw. mulchen oder kontrolliertes Abbrennen.
Kontrolliertes Abbrennen
... ist die Rückkehr des Feuers in die Landschaft – aber nach unseren Bedingungen und nicht denen des Feuers.
Kontrolliertes Abbrennen bedeutet, die bodennahe Biomasse (etwa Gras, Laub, Nadeln, Sträucher, Totholz) im Wald oder auf Freiflächen bei geringer Brandgefahr durch den Einsatz von Feuer zu entfernen. Diese Technik wird in zahlreichen Ländern eingesetzt, darunter in Australien, den USA, Südafrika, Portugal, Italien, Frankreich und in Einzelfällen im mitteleuropäischen Raum. Bei entsprechender Erfahrung ist kontrolliertes Abbrennen wahrscheinlich die effektivste, kostengünstigste und am schnellsten wirkende Maßnahme zur Vermeidung ungewollter Feuer.
Kontrolliertes Abbrennen ist in Österreich aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen und der generell verbreiteten Skepsis nur vereinzelt in Verwendung, etwa am Truppenübungsplatz Allentsteig in Niederösterreich oder entlang mancher Bahnstrecken als Bahndammbrennen. Es findet aufgrund der einfachen und sicheren Anwendung häufig auf Wiesen- und Strauchflächen statt. Auch ein Abbrennen der niederen Vegetation im Waldbestand ist prinzipiell möglich, beispielsweise in Föhrenwäldern, da Kiefern gut an Bodenfeuer angepasst sind.
© Mortimer M. Müller
Brandversuch am 08.03.2026
Um kontrolliertes Abbrennen im wissenschaftlichen Kontext erproben zu können, wurde in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit Bezirksförster Georg Heinz von der Forstbehörde Neunkirchen und den Feuerwehren des Unterabschnitts St. Egyden am Steinfeld Anfang März ein Brandversuch durchgeführt. Mit freundlicher Zustimmung der Grundstückseigentümer, der Agrargemeinschaft Saubersdorf, konnten auf der sogenannten „Saubersdorfer Trift“ drei Flächen für das kontrollierte Abbrennen ausgewählt werden. Bei zwei Testflächen mit jeweils ca. 600 m² handelte es sich um Wiesenflächen, die dritte, eigentliche Versuchsfläche betrug 2000 m² und war mit Sträuchern und Jungbäumen bewachsen. Folgende Ziele wurden im Vorfeld formuliert:
- Reduktion der Entstehungsgefahr ungewollter Brände durch das Verbrennen der abgestorbenen krautigen Vegetation des Vorjahres.
- Erhebung wissenschaftlicher Daten zum Feuerverhalten unterschiedlicher Brandtypen.
- Überprüfung, ob durch die Nutzung von Feuer eine Reduktion der Verbuschung auf der Versuchsfläche möglich ist.
- Beobachtung des Einsatzes von Feuer als Werkzeug und Erlernen der Nutzung zur Waldbrandprävention für alle Beteiligten.
Auf der Versuchsfläche fanden die wissenschaftlichen Erhebungen statt, darunter die Quantifizierung der Brennstoffmengen, Messungen zur Temperatur des Feuers (über Thermosonden und Infrarot-Thermometer), eine Dokumentation der Ausbreitungsgeschwindigkeit und des Brandverhaltens. Zusätzlich wurden vor und während des Brandversuchs die meteorologischen Bedingungen via Messgerät (Kestrel Fire Weather) überwacht und dokumentiert. Als Sicherheitsmaßnahme sind sämtliche Brandflächen an den Außenrändern gemulcht worden, außerdem wurden vonseiten der Feuerwehren Riegelstellungen aufgebaut, um angrenzende Waldflächen zu benetzen und ein potenzielles Übergreifen des Feuers zu verhindern.

Backfire auf der Versuchsfläche – auffällig sind die geringen Flammenhöhen und schwache Rauchentwicklung | © Mortimer M. Müller

Backfire auf der Versuchsfläche – selbst die Kiefer rechts im Bild ist nicht verbrannt | © Mortimer M. Müller
© Mortimer M. Müller
Zur Entfachung der Feuer ist eine drip torch („Tropffackel“) zum Einsatz gekommen, die eine rasche und sichere Entzündung der Vegetation ermöglicht und weltweit bei kontrollierten Bränden verwendet wird. Auf den kleineren Wiesenflächen ist eine Kombination verschiedener Brandtechniken erprobt worden, darunter Backfire (Entzündung gegen den Wind) zur Schaffung eines sogenannten „Schwarzstreifens“ (= verbrannter Bereich), damit das anschließend entfachte Headfire (Entzündung mit dem Wind) an diesem Schwarzstreifen von selbst erlischt. Ebenso wurden ein Flankfire (im 90°-Winkel zum Wind) und ein Streifen-Headfire getestet.
Auf der eigentlichen Versuchsfläche ist zunächst ein Backfire gelegt worden und nach ca. 30 min erfolgte die Entzündung eines Headfires am gegenüberliegenden Rand. Die Flammen trafen sich wie vorgesehen etwa in der Mitte der Fläche und löschten sich gegenseitig ab.

Headfire auf der Versuchsfläche mit rascher Ausbreitung und intensiverer Rauchentwicklung | © Biorama / Thomas Weber

Headfire auf der Versuchsfläche – trotz höherer Intensität gerieten die meisten Bäume und Sträucher nicht in Brand | © Biorama / Thomas Weber
© Mortimer M. Müller
© Mortimer M. Müller
Nachbetrachtung des Brandversuchs
Erste Erkenntnisse und Daten des kontrollierten Abbrennens in Saubersdorf:
- Die meteorologischen Bedingungen (Luftfeuchtigkeit 35 %, Mittelwind <10 km/h, Sonnenschein, gut durchmischte bodennahe Luftschicht) waren nahezu optimal und haben eine vollständige Verbrennung des feinen Brennmaterials sowohl mit Head‑, als auch mit Backfire ermöglicht, ohne ein aggressives Feuerverhalten zu begünstigen.
- Das Backfire hatte wie erwartet eine deutlich geringere Ausbreitungsgeschwindigkeit (ca. 1 m/min), wies geringere Flammenhöhen, niedere Brandtemperaturen und eine nur schwache Rauchentwicklung auf.
- Das Headfire breitete sich deutlich rascher aus (10–20 m/min), mit längeren Flammen, höheren Brandtemperaturen (über 650 °C wurden gemessen) sowie einer intensiveren und dunkleren Rauchfahne.
Mit einer Drohne aufgenommener Zeitraffer des Feuers auf der Versuchsfläche. Rechts im Bild ist das (langsame) Backfire zu erkennen, von links nähert sich das intensivere und schnellere Headfire:
© Mortimer M. Müller
Neben hochrangigen Feuerwehrvertretern waren auch Kilian Heil vom BMLUK, Wolfgang Riener, Waldbrandsachverständiger der Österreichischen Bundesforste, Thomas Weber, Herausgeber des Biorama-Magazins, sowie der ORF mit einem Team rund um Redakteur Nikita Elsler beim kontrollierten Abbrennen zu Gast. Ein Beitrag zu den feurigen Aktivitäten ist am Freitag, 13. März 2026 im Mayrs Magazin auf ORF 2 ausgestrahlt worden.
Wir bedanken uns bei allen Mitwirkenden und Gästen für die hervorragende Zusammenarbeit und den reibungslosen Ablauf des Brandversuchs!
Langfristiges Ziel der aktuellen Initiative ist die Schaffung der geeigneten rechtlichen, technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen für einen österreichweiten Einsatz von kontrollierten Bränden gemeinsam mit anderen Maßnahmen des Brennstoffmanagements. Solche Maßnahmen sind speziell in bekannten oder zukünftigen Risikogebieten relevant – hier können beispielsweise Nadelwälder mit extensiver Waldbewirtschaftung genannt werden oder die Vegetation am Wildland-Urban-Interface, der Kontaktzone zwischen Natur- und Siedlungsraum.






