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Definition von Waldbränden

Manche Brandereignisse, die in den Medien oder Feuerwehrberichten als Flurbrand tituliert sind, werden in unserer Statistik als Waldbrand geführt – oder umgekehrt. Der Grund liegt in der unterschiedlichen Definition eines Waldbrandes. In diesem Beitrag erfahren Sie Hintergrundinformationen zur Definition von Waldbränden und die Einordnung von Bränden und Brandarten in der österreichischen Waldbrand-Datenbank.
 
Im Englischen, speziell in feuergeprüften Ländern wie den USA oder Australien, wird als Synonym für Vegetationsbrände häufig WILDFIRE verwendet. Dieser Begriff umfasst sowohl Wald-, als auch Busch- und Wiesenbrände. Im Deutschen gibt es keine passende Übersetzung. Meist wird in Europa der Weg beschritten, den Brandtyp nicht an der Brandart (Glimmbrand, Boden-/Lauffeuer, Kronenfeuer/Vollbrand) oder an der Größe festzumachen, sondern am Ort des Auftretens. Das bedeutet, dass es irrelevant ist, ob nur 10m² Waldboden brennen oder 1000m², ob es sich um einen Humus-, oder verheerenden Vollbrand handelt – entscheidend ist, wo das Feuer auftritt.

Die österreichische Waldbrand-Datenbank am Institut für Waldbau, Universität für Bodenkultur, folgt diesem Schema und orientiert sich an den Bestimmungen des österreichischen Forstgesetzes. Demnach ist Wald nicht nur die klassische geschlossene Hochwaldfläche, sondern auch Jungwuchs, Niederwald, Windschutzgürtel oder Blößen (häufig Kahlschlagflächen). In der Regel umfasst Wald zumindest 1000m² und weist eine Breite von zehn Metern auf.

Im Zweifelsfall, oder wenn sowohl Flur als auch Wald betroffen sind, wird die Kategorie Wald-/Flurbrand gewählt. Hier muss der Anteil der betroffenen Waldfläche mindestens 10% der Gesamtfläche betragen, andernfalls wird das Brandereignis als reiner Flurbrand geführt. Bei der Eingabe der Brandfläche kann zwischen Gesamtbrandfläche und Waldbrandfläche unterschieden werden, um eine klare Trennung zu ermöglichen.

Brände im alpinen Raum an der Waldgrenze, etwa im Bereich von Latschenfeldern, scheinen als Wald-/Latschenbrand auf. Bahnböschungsbrände, die auf den Wald übergreifen, werden mit Bahndamm-/Waldbrand bezeichnet. Unkontrollierte Brände von Wiesen, Feldern, Schilf oder Sträuchern werden hingegen als Flurbrand abgespeichert.
 
Einige Beispiele von Bränden in der Vergangenheit und ihre Einordnung in der österreichischen Waldbrand-Datenbank:
 

  • Brand eines Holzstapels im Wald? – Wird nicht aufgenommen.
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  • Brand eines Holzstapels im Wald, wobei das Feuer auf den Waldboden oder den Bewuchs übergreift?WALDBRAND.
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  • Verlassenes Lagerfeuer im Wald? – Wird nicht aufgenommen.
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  • Verlassenes Lagerfeuer im Wald, wobei sich das Feuer als Glimmbrand auf einige Quadratmeter ausbreitet?WALDBRAND.
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  • Brand eines einzelnen Baumes im Wald durch Blitzschlag?WALDBRAND.
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  • Bodenfeuer in einem Fichten-Jungwuchs?WALDBRAND.
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  • Kleiner Schwelbrand auf einer offenen Schlagfläche?WALDBRAND.
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  • Ausschließlich die Bodenstreu, also trockenes Gras oder Laub brennen/glimmen in einem Hochwald?WALDBRAND.
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  • Wiesenbrand, der geringfügig (20% der Fläche) auf den Wald übergreift? – Wald-/Flurbrand.
  • Unklar, ob nur Wiese/Sträucher oder auch Waldfläche betroffen sind? – Wald-/Flurbrand.
  • Brand im Übergangsbereich von Wiese/Sträuchern zum Wald? – Wald-/Flurbrand.
  • Feuer auf einer waldähnlichen Parkfläche? – Wald-/Flurbrand.
  • Brand an der Wald-/Baumgrenze oder Latschenbrand? – Wald-/Latschenbrand.
  • Bahndammbrand, der sich auf Waldfläche ausbreitet? – Bahndamm-/Waldbrand.
  • Bahndammbrand, der auf Sträucher übergreift? – Bahndamm-/Flurbrand.
  • Großflächiger Wiesen- oder Feldbrand? – Flurbrand.
  • Wiese mit dichtem Buschwerk brennt? – Flurbrand.
  • Vollbrand einer Thujenhecke in einem Garten? – Flurbrand.
  • Brand von mehreren Hektar Schilf? – Flurbrand.

 
Alle Brände, bei denen Wald vermutlich (mit) betroffen war, scheinen in der öffentlich zugänglichen Waldbrand-Datenbank der BOKU als Waldbrand auf (HIER geht es zur Fire Database) – also auch Wald-/Flurbrände, Wald-/Latschenbrände und Bahndamm-/Waldbrände.