Brandversuch im Schilfgürtel Neusiedler See
Im Rahmen des von der Biologischen Station Neusiedler See geleiteten Forschungsprojekts BraMaSchi und gefördert von der Burgenländischen Landesregierung wurden im Januar 2024 die Auswirkungen von kontrollierten Bränden auf das Ökosystem Schilfgürtel untersucht. Mit dabei war auch die BOKU Wien mit Kohlenstoffuntersuchungen, Feuchtemessungen und einem Monitoring des Brandverhaltens.
Kontrollierte Brände werden in vielen Ländern zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt, darunter für eine Reduktion der Entstehungsgefahr ungewollter Brände, die Brennstoffkontrolle, das Freihalten von Offenflächen oder zur Förderung und dem Erhaltung bestimmter Ökosysteme. Der Schilfgürtel Neusiedler See ist die zweitgrößte zusammenhängende Schilffläche in Europa und bietet Lebensraum für zahlreiche geschützte Tierarten. Allerdings stellt sich eine zunehmende Überalterung der Schilfbestände ein, wodurch die Attraktivität des Ökosystems für die Fauna abnimmt.
In der Vergangenheit sind unter anderen kontrollierte Brände eingesetzt worden, um dieser Herausforderung zu begegnen. Durch rechtliche Neuregelungen (u. a. Luftreinhaltegesetz) war die Feuernutzung in den letzten Jahrzehnten nicht mehr möglich. Daher werden von unterschiedlichen Interessensvertretern Anstrengungen unternommen, um erneut Feuer als Werkzeug im Schilfgürtel einsetzen zu können.
Ein erster Schritt wurde mit der aktuellen Projektinitiative gesetzt, wobei im Rahmen einer Brandschutzübung der Feuerwehren die Auswirkungen des Feuers auf den Kohlenstoffhaushalt und den Lebensraum Schilf untersucht worden sind. Südlich von Jois im Burgenland wurden mehrere Hektar Schilffläche entzündet und das Abbrennen wissenschaftlich durch das Institut für Geographie und Regionalforschung der Uni Wien sowie das Institut für Waldbau der BOKU Wien begleitet.
Vonseiten des Instituts für Waldbau sind die Kohlenstoffmengen (= brennbares Material) vor und nach dem Feuer erhoben worden. Zusätzlich fand ein Monitoring der meteorologischen Bedingungen und des Brandverhaltens statt – es wurden die Brandtemperaturen ermittelt, die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Feuers und die Feuchtigkeit des Brennmaterials.
Die wichtigsten Erkenntnisse der Untersuchungen zusammengefasst:
- Die 10%-Regel beim Voranschreiten von Vegetationsbränden kann bei Schilfbränden gut eingesetzt werden. Damit ist gemeint, dass sich die Flammenfront mit maximal 10 % der mittleren gemessenen Windgeschwindigkeit ausbreitet.
- Stehendes Schilf ist kurz nach dem Regen bereits wieder trocken genug für eine Entzündung. Auf der anderen Seite bleiben tiefere Schichten des Bruchschilfs (= liegendes Schilf) meist zu feucht, um zu verbrennen.
- Die Mengen von stehendem Schilf und Bruchschilf können durch Feuer effizient und großflächig reduziert werden. Die Dichte der Schilfhalme steigt an und die Heterogenität des Lebensraums nimmt zu, wodurch die Attraktivität für unterschiedliche Arten ansteigt.
- Kontrollierte Brände eignen sich demnach als Werkzeug zum Erhalt des Lebensraums Schilfgürtel.
Die Ergebnisse des Projekts können auch im wissenschaftlich publizierten Beitrag des Journals „Wetlands Ecology and Management“ nachgelesen werden.




