Waldbrandgefahr weitgehend gering

Die wechselhafte, feuchte Witterung und die meist gemäßigten Temperaturen der vergangenen Wochen haben dazu geführt, dass die Waldbrandgefahr in Österreich überwiegend gering ist. Erhöht ist sie lediglich in Teilen Vorarlbergs, dem oberen Inntal sowie stellenweise im Norden. Damit sind keine Großbrände und nur vereinzelt kleinflächige Waldbrände zu erwarten.

Vergangene Woche stieg die Flur- und speziell Feldbrandgefahr in Nord- und Ostösterreich durch die Getreideernte in Verbindung mit einer kurzen Schönwetterphase deutlich an. In der Folge ereigneten sich zahlreiche Feldbrände, ausgelöst vor allem durch defekte Strohpressen und Funkenflug bei Drescharbeiten. Der größte Brand trat am 04. Juli in Guntramsdorf, Niederösterreich auf. 20 Hektar reifes Getreide standen in Vollbrand. Ein Großaufgebot der Feuerwehren war im Einsatz, um die Flammen zu löschen.

> Bericht zum Feldbrand in Guntramsdorf, NÖ, auf der Seite der FF Guntramsdorf
 
In den kommenden Tagen bleibt es unbeständig bei sommerlichen Temperaturen. Ein leichter Anstieg der Waldbrandgefahr ist wahrscheinlich, ein hohes Feuerrisiko in nächster Zeit aber nicht zu erwarten.

Frühjahrsrückblick 2018

Der Februar und auch der März 2018 verliefen kalt und schneereich. Danach folgten zwei ungewöhnlich warme und gebietsweise auch trockene Monate. Besonders in Teilen West- und Nordösterreichs traten immer wieder Waldbrände auf, die meisten davon ausgelöst durch Unachtsamkeit oder Fahrlässigkeit. Die häufigste Brandursache waren weggeworfene Zigaretten, die für elf Brände verantwortlich gewesen sein dürften. Auch kontrollierte Feuer außer Kontrolle, Funkenflug bei Arbeiten und ausgebrachte heiße Asche lösten mehrere Waldbrände aus.

Insgesamt ereigneten sich von März bis Mai 55 Waldbrände, die meisten davon im April (32). Das Bundesland mit der höchsten Zahl an Waldbränden war Tirol (12), gefolgt von Vorarlberg (10) sowie der Steiermark und Niederösterreich (jeweils acht). Die zehn Waldbrände im äußersten Westen Österreichs sind besonders beachtenswert, da in Vorarlberg im Schnitt nur fünf Waldbrände registriert werden - in einem ganzen Jahr.

  

Der größte Waldbrand der vergangenen drei Monate ereignete sich am 25. März in Nüziders, Vorarlberg: Durch die heißen Bremsen eines Mountainbikefahrers entzündete sich der Waldboden auf rund 1,5 Hektar Fläche. Mehrere Feuerwehren, hundert Einsatzkräfte und zwei Helikopter waren im Einsatz, um die Flammen zu löschen.

> Bericht zum Waldbrand in Nüziders, Vlbg, auf vorarlberg.orf.at
 
Das Waldbrandgeschehen im Frühjahr kann nicht als Vorzeichen für den Hochsommer, den zweiten, saisonalen Höhepunkt beim Auftreten von Waldbränden, gewertet werden. Mitunter (aber nicht immer) folgt nach einem trockenen und brandintensiven Frühjahr ein feuchter und damit brandschwacher Sommer - oder umgekehrt.

Waldbrandgefahr überall gering

Aufgrund der jüngsten ergiebigen Niederschläge sowie der mittelfristigen Wetterentwicklung, die eine unbeständige und zeitweise kühle Witterung verspricht, ist die Waldbrandgefahr vorläufig gebannt. Vereinzelte Kleinbrände sind zwar wie immer zu dieser Jahreszeit möglich, in Summe sollte die Brandgefahr aber bis zur ersten Hitzewelle des Jahres gering bleiben.

Erhöhte Waldbrandgefahr in OÖ

Die seit Wochen bestehende und für die Jahreszeit ungewöhnliche Großwetterlage bringt besonders im Süden und Südosten Österreichs wiederholt heftige, nahezu ortsfeste Gewitter mit teils enormen Niederschlagsmengen. Vielerorts gab es bereits Schäden durch Überflutungen und Vermurungen. Auf der anderen Seite ist es nördlich der Alpen verhältnismäßig trocken - stellenweise sogar außerordentlich trocken.

Besonders betroffen ist derzeit der oberösterreichische Zentralraum. Stellenweise hat es seit zwei Monaten nicht mehr ergiebig geregnet. Durch die hohen Temperaturen und die zahlreichen Sonnenstunden trocknet die Vegetation immer mehr aus. Damit herrscht hier eine mäßige oder sogar erhebliche Waldbrandgefahr. Bereits am vergangenen Wochenende wurde im Westen von Linz ein kleinflächiger Waldbrand verzeichnet, der jedoch von geringer Intensität war und rasch gelöscht werden konnte.

> Bericht zum Waldbrand in Linz, OÖ, auf regionews.at
 
Flächendeckende Niederschläge dürften nördlich der Alpen bis Mitte kommender Woche auf sich warten lassen - erst dann ist eine Umstellung der Großwetterlage wahrscheinlich. Bis dahin bleibt die Wald- und Flurbrandgefahr erhöht.

Messungen zur Bodenfeuchtigkeit

Der entscheidende Parameter, ob ein Waldbrand entstehen kann, ist die Feuchtigkeit des Bodens - oder eigentlich der Streuauflage, also der abgestorbenen Pflanzenteile auf der Oberfläche wie Blätter, Nadeln, Astreste u. ä.

Um die Trockenheit dieser Materalien zu bestimmen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die genaueste, aber auch aufwendigste Methode, ist das Sammeln, Trocknen und Wiegen der Pflanzenteile. Bereits 2013 wurden am Institut für Waldbau der Universität für Bodenkultur in Wien erste Messungen mit standardisierten sogenannten Fuel Sticks (dt. „Feuchtestäbe“) durchgeführt (der publizierte Artikel dazu kann HIER als PDF heruntergeladen werden).

Derzeit verwenden viele Systeme zur Abschätzung der Waldbrandgefahr meteorologische Daten, um die Bodenfeuchtigkeit - indirekt - zu bestimmen. (Eine Übersicht zur Problematik der Vorhersage der Waldbrandgefahr kann HIER nachgelesen werden.) Um einen Abgleich der interpolierten Streufeuchtigkeit mit den realen Bedingungen zu ermöglichen sowie zur Etablierung eines langfristigen Monitorings, wurde im BOKU-Versuchsgarten Knödelhütte in Wien eine automatische Wetterstation installiert.

Seit April 2018 sind drei erste Fuel Sticks angeschlossen, welche laufend die Streufeuchtigkeit über den elektrischen Widerstand in den Holzstäben messen. Einer der Stäbe (Fotos 1 & 2) befindet sich in einem Fichten-Tannenbestand, um die Bedingungen im Inneren einer geschlossenen Nadelwaldfläche zu simulieren. Der zweite Fuel Stick wurde neben der Station in einem offenen Waldkiefern-Altholz mit Unterwuchs installiert (Foto unten links). Der letzte Feuchtestab ist auf einer offenen Wiesenfläche angebracht - um die Situation am Waldrand oder auf einer Schlagfläche zu beschreiben, da hier besonders häufig Waldbrände entstehen.

 
 

Eine Auswertung der ersten zwei Monate zeigt eine gute Korrelation zu den Ergebnissen aus 2013: Im dichten Bestand ist die Feuchtigkeit größer, gleichzeitig reagiert die Streufeuchtigkeit nicht so stark auf Niederschläge. Auf der Freifläche gibt es hinsichtlich des Feuchtegehalts die stärksten Schwankungen - außerdem kommt es bei entsprechender Wärme sowie Sonneneinstrahlung zu einer besonders raschen Austrocknung.

Ein Ziel der laufenden Messungen ist die Optimierung der Abschätzung der Streufeuchte und damit eine Verbesserung der Vorhersage der Waldbrandgefahr. Mittelfristig könnten auch in anderen Bundesländern Fuel Sticks installiert werden, um die Bedingungen in möglichst vielen Waldökosystemen beschreiben zu können.

Brandgefahr überall gering

Die ergiebigen Niederschläge seit Wochenbeginn haben zu einer nachhaltigen Entspannung der Waldbrandgefahr in Österreich geführt. In den kommenden Tagen wird es zwar allmählich wärmer, gleichzeitig bleibt die Luftmasse ausgesprochen feucht und labil. Im ganzen Land können Regenschauer und Gewitter niedergehen, teilweise sind erhebliche Niederschlagsmengen möglich.

Mit Ausnahme vereinzelter Entstehungsbrände, etwa durch Blitzschlag, sind keine Waldbrände zu erwarten. Voraussichtlich bleibt die Waldbrandgefahr bis weit in den Juni hinein unerheblich.

Waldbrandgefahr sinkt weiter

Die derzeitige warme und labile Wetterlage sorgt besonders im Süden und Osten Österreichs immer wieder für teils kräftige Regenschauer und Gewitter. Aber auch in den anderen Landesteilen ist es unbeständig. In den kommenden Tagen geht es zwar überwiegend warm weiter, es bleibt aber wechselhaft. Voraussichtlich ab Sonntag bzw. Montag wird es deutlich kühler und besonders im Westen sowie entlang des Alpenbogens sind ergiebige Niederschläge einzuplanen. Damit sollte die stellenweise mäßige Waldbrandgefahr etwa in Teilen Vorarlbergs, Nordtirols und des Mühlviertels auf ein geringes Niveau sinken. Eine nennenswerte Waldbrandgefahr ist mittelfristig nicht zu erwarten.

Überwiegend geringe Waldbrandgefahr

In den vergangenen zwei Tagen wurden in fast ganz Österreich Niederschläge verzeichnet. Allerdings sind die Regenmengen nur im Süden und Südosten, von Kärnten über weite Teile der Steiermark und des Burgenlands, sowie im direkten Nordstau der Alpen ergiebig ausgefallen. Keinen relevanten Niederschlag gab es ganz im Norden sowie teilweise auch inneralpin. In den kommenden Tagen wird das Temperaturniveau erneut sommerlich. Regen ist nur punktuell in Form von Schauern und Gewittern zu erwarten.

Was bedeutet dies für die Waldbrandgefahr? Sie ist nahezu überall gering. Berücksichtigt man den weit fortgeschrittenen Vegetationsaustrieb im Flach- und Hügelland bleibt hier die Wald- sowie Flurbrandgefahr voraussichtlich auch in den kommenden Tagen und Wochen gering, selbst wenn sich die Trockenheit in Teilen des Landes fortsetzt (HIER steht warum das so ist). Wohlgemerkt: Dies gilt nur für Laub(Misch-)Wälder bzw. Flurbereiche mit einer reichen Krautschicht. In reinen Nadelwaldbeständen ohne viel Bodenbewuchs, wie sie etwa im Mühl- und Waldviertel zu finden sind, kann die Brandgefahr auf ein mäßiges, vereinzelt sogar erhebliches Niveau ansteigen (Warnstufe 2-3). Auch inneralpin - beispielsweise im Tiroler Oberland - zeigt sich ein ähnliches Bild. Nach dem Ausapern der schneebedeckten Gebiete können speziell südseitige Hänge bis zur Waldgrenze hinauf gefährdet sein, zunehmend auch durch Blitzschläge von Gewittern.

Im Großteil Österreichs bleibt die Waldbrandgefahr bis auf Weiteres aber unerheblich. Vereinzelt sind Kleinbrände möglich, Großbrände bzw. eine hohe Waldbrandgefahr sollte es bei einem durchschnittlichen Witterungsverlauf nicht vor der ersten Hitzewelle des Jahres geben.

Forschungskooperation HTL Donaustadt

Seit Herbst letzten Jahres kooperiert das Institut für Waldbau, Universität für Bodenkultur, mit der HTL Donaustadt in Wien. Im Rahmen einer Diplomarbeit wurde von zwei Schülern ein Vor-Prototyp für ein integriertes Modell zur Abschätzung der Waldbrandgefahr in Österreich erstellt. In diesem Testsystem werden neben der meteorologischen Waldbrandgefahr auch die Vegetation, Topografie sowie sozioökonomische Faktoren berücksichtigt und gewichtet. In Zukunft sollen weitere Parameter wie unterschiedliche Waldbrand-Indizes, die Phänologie der Pflanzen sowie das aktuelle Auftreten von Waldbränden integriert werden. Das Modell ist derzeit nicht öffentlich zugänglich. Es soll über die Sommermonate einen ersten Testlauf absolvieren und anschließend validiert und verbessert werden.


Die beiden Diplomanden der HTL Donaustadt mit ihrem Tutor Hr. Loibner
Foto © 2018 Mortimer M. Müller

Mehrere Kleinbrände

In den vergangenen Tagen kam es durch die Trockenheit und sommerlichen Temperaturen in Verbindung mit Unachtsamkeit oder Fahrlässigkeit zu mehreren kleinflächigen Waldbränden in Österreich. Beispielswiese gerieten in Mönichwald (Stmk), Litschau (NÖ), Nenzing (Vlbg), Sieggraben (Blgd), Weiz (Stmk), und Desselbrunn (OÖ) Waldflächen in Brand. Durch den vielerorts weit fortgeschrittenen Vegetationsaustrieb, welcher trotz Trockenheit die Brandentstehung und Brandausbreitung hemmt, sowie mangels Wind, handelte es sich um Feuer geringer Intensität.

Bereits heute sind erste Niederschläge in Form von Schauern und Gewittern zu erwarten. Aber nicht in ganz Österreich wird es ergiebig regnen. Morgen und am Mittwoch sorgt ein Zwischenhoch für nochmaliges Frühsommerwetter, in Verbindung mit Wind bleibt die Waldbrandgefahr mäßig bis erheblich - nur in Teilen Osttirols, Kärntens und der Steiermark ist sie auch gering. Am Donnerstag sind aus heutiger Sicht im ganzen Land ergiebige Niederschläge zu erwarten, wodurch sich die Waldbrandgefahr überall entspannen sollte.

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