Buschbrände Australien

Während die Brandsaison in Europa, Sibirien und Nordamerika weitgehend vorbei ist, startet der nächste markante Waldbrand-Hotspot südlich des Äquators: In Australien toben seit Wochen massive Busch- und Waldbrände; und das, obgleich erst vor Kurzem der Frühling Einzug gehalten hat und die Brandsaison in Down Under gewöhnlich nicht vor Dezember startet.

Mehrere Tote, Dutzende zerstörte Gebäude und rund 20.000 km² verbranntes Land – dies entspricht der Fläche von Niederösterreich – sind die bisherige Bilanz der rekordverdächtig intensiven Feuer. Dazu kommen massive Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens durch den Rauch der Brände, so wie aktuell in Sydney, der größten Stadt des Landes.

> Bericht zu den Buschbränden in Australien auf zeit.de
 
Die australische Bevölkerung wird sich weiter auf brandgefährliche Bedingungen einstellen müssen, denn auch in den kommenden Tagen sind weder flächendeckend ergiebige Niederschläge noch eine Abnahme der Feuergefahr in Sicht.

Ende der Waldbrandsaison

Durch die ergiebigen Niederschläge der vergangenen Tage ist die Waldbrandgefahr in ganz Österreich sehr gering. Zudem lässt die mittelfristige Wetterentwicklung weiteren Regen erwarten. Damit wird es dieses Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit keine relevante Waldbrandgefahr mehr geben. Statistisch gesehen ist im März 2020 mit dem Beginn der Frühjahrsbrandsaison zu rechnen.

Ein Rückblick auf das abgelaufene Waldbrandjahr folgt Anfang 2020.

Kalifornien brennt wieder

Einmal mehr steht Kalifornien mit ausgedehnten Wald- und Buschbränden in den Schlagzeilen. Durch die herrschende Dürre in Verbindung mit starken Winden haben sich einige Feuer rund um Los Angeles und San Franciso sehr rasch ausgebreitet und mehrere Tausend Hektar Vegetation erfasst. Auch erste Gebäude wurden bereits ein Raub der Flammen. Zehntausende Menschen sind aufgerufen, ihre Häuser aus Sicherheitsgründen zu verlassen.

> Bericht zu den Waldbränden in Kalifornien auf spiegel.de
 
Nicht selten werden Buschbrände in Kalifornien durch Stromleitungen ausgelöst. Dies ist vor allem bei starkem Wind der Fall. Auch in Österreich ist diese Thematik nicht unbekannt. Bei heftigen Sturmereignissen kommt es regelmäßig zu Waldbränden, etwa wenn abgebrochene Äste auf Hochspannungsleitungen fallen und sich entzünden oder Stromkabeln durch umstürzende Bäume gekappt werden.

Als Notmaßnahme soll nun in Kalifornien - zum zweiten Mal in diesem Herbst - in den besonders gefährdeten Gebieten der Strom abgeschaltet werden. Ob diese symptombekämpfende Maßnahme ausreicht, um weitere Brände zu vermeiden, bleibt abzuwarten.

Leicht erhöhte Brandgefahr

Durch die außergewöhnlich hohen Temperaturen in Verbindung mit kräftigem Föhn herrscht derzeit in Lagen oberhalb der Nebelgrenze eine erhöhte Waldbrandgefahr. Am ehesten sind in den trockenen Gebieten südlich des Alpenhauptkammes (etwa Osttirol, Oberkärnten und in der Weststeiermark) vereinzelt unkontrollierte Feuer möglich. In diesen Regionen hat es seit mehr als drei Wochen keinen relevanten Niederschlag gegeben. Durch den zeitweise kräftigen Wind ist eine rasche Brandausbreitung möglich, die Brandintensität sollte aber gering sein.

Auch in anderen Föhngebieten sind Kleinbrände möglich - am ehesten in Lagen oberhalb von 800-1000m Seehöhe, da darunter Morgentau und Nebel für feuchtere Verhältnisse sorgen. Anfang kommender Woche stellt sich die Großwetterlage um, auch Niederschläge sind zu erwarten. Damit sollte auch die Waldbrandgefahr zurückgehen.

Sehr geringe Waldbrandgefahr

Die ergiebigen Niederschläge der letzten Tage haben dazu geführt, dass die Wald- und Flurbrandgefahr in ganz Österreich sehr gering ist. Damit sind auch Kleinbrände unwahrscheinlich.

In den kommenden Wochen dürfte sich daran nichts ändern. Im Fall einer mehrwöchigen, föhnigen Hochdrucklage ist dieses Jahr noch eine relevante Waldbrandgefahr möglich - allerdings auch nur in höheren Lagen oberhalb der Nebelgrenze (wie z. B. im November und Dezember 2015 geschehen). Andernfalls sollte die Waldbrandgefahr in Österreich erst wieder kommendes Frühjahr ein Thema werden.

Sommerrückblick 2019

Der Sommer 2019 brachte in Österreich ungewöhnlich viele Waldbrandereignisse, bei einer gleichzeitig deutlich unterdurchschnittlichen Gesamtbrandfläche.

Nach einem kalten und feuchten Mai folgte der wärmste Juni seit Messbeginn. Durch die vergangenen Niederschläge gab es nur etwas mehr Waldbrände als im Mittel (37). Im Juli wurden durch abermals überdurchschnittliche Temperaturen und viel Sonne außergewöhnlich viele Waldbrände registriert (61), mehr als die Hälfte davon durch Blitzschläge ausgelöst (35). Im August gab es schließlich mit 26 Waldbränden wieder unterdurchschnittlich viele Brände.

Bei den meisten Bränden des Sommers handelte es sich um Kleinbrände. Vollbrände bzw. Kronenfeuer wurden nur ganz vereinzelt dokumentiert. Die Gesamtbrandfläche in den drei Sommermonaten betrug rund elf Hektar - ein vergleichsweise geringer Wert.

Die meisten Waldbränden dieses Sommers wurden in der Steiermark und in Tirol (jeweils 25) verzeichnet, gefolgt von Niederösterreich und Kärnten (je 22). In Salzburg gab es vierzehn Waldbrände, in Oberösterreich zwölf. Nur drei Waldbrände ereigneten sich in Vorarlberg und einer im Burgenland. Keine Waldbrände wurden aus Wien gemeldet.
 
  

Als Ursachen für die große Zahl an Bränden bei gleichzeitig geringer Brandfläche werden vermutet:

  • Der schneereiche Winter sowie der ausnehmend nasse Mai. Dadurch war im Sommer genug Tiefenwasser vorhanden, die Bäume waren trotz Trockenheit nicht anfällig für Trockenstress, was die Gefahr von sich rasch ausbreitenden Feuern und Vollbränden reduziert.
  • Viele Waldbrände des Sommers - rund die Hälfte - wurden durch Blitzschläge ausgelöst. Diese vornehmlichen Schwelbrände konnten in der Regel noch in der Entstehungsphase gelöscht werden, Ausbreitungsgefahr bestand nur selten.
  • Der Sommer war im Mittel zu trocken, gleichzeitig gab es aber keine längeren Trockenphasen. Auch wenn die Niederschläge unergiebig ausgefallen sind, regnete es doch immer wieder. Eine feuchte erdnahe Streuschicht erschwert jedoch die Brandentstehung und Ausbreitung.
  • Der Sommer war generell windschwach. Starker Wind ist aber ein entscheidender Faktor für eine rasche Ausbreitung der Flammen und eine hohe Brandintensität.
  • Die Effizienz der Feuerwehren. Auch dieses Jahr hat sich gezeigt, dass die österreichischen Feuerwehren hervorragend aufgestellt sind und die meisten Waldbränden noch in der Anfangsphase bekämpfen und löschen können.

 
Der flächengrößte Waldbrand ereignete sich am 06. Juni in Zell-Freibach, Kärnten. Auf einer Kahlschlagfläche brach möglicherweise im Zuge von Waldarbeiten ein Lauffeuer mittlerer Intensität aus, das sich durch den starken Wind rasch hangaufwärts in den Fichtenbestand ausbreitete. Mehrere Helikopter und bis zu 300 Feuerwehrleute standen am Höhepunkt des Feuers im Einsatz. Erst nach einer Woche konnte Brandaus gegeben werden. Etwa vier Hektar Wald gerieten in Brand.

Radiointerview Ö1

Gestern, am 28. August 2019, wurde ein Radiobeitrag mit DI Mortimer Müller vom Institut für Waldbau der BOKU Wien auf Ö1 ausgestrahlt. In der Sendereihe „Moment - Leben heute“ lautete das „Wort der Woche“ wenig überraschend Waldbrand. Zu dem Thema nahm Müller Stellung und führte Redakteurin Andrea Hauer zu einer wenige Tage alten Brandfläche in der Oberen Lobau.

Der Beitrag auf Ö1 kann HIER sieben Tage lang nachgehört werden.

Geringe Waldbrandgefahr

Durch den Regen der vergangenen Tage in Verbindung mit meist schwachem Wind und unterdurchschnittlichen Sonnenstunden ist die Waldbrandgefahr in Österreich überwiegend gering oder sogar sehr gering.

Nur vereinzelt kann bis zum Ende der Woche eine mäßige Waldbrandgefahr erreicht werden. Zwar sind in den nächsten Tagen spätersommerliche Temperaturen mit teils über 30 Grad zu erwarten, eine längere trocken-stabile Wetterlage ist derzeit aber nicht in Sicht. Entstehungsbrände und kleinere Feuer können weiterhin auftreten, besonders in den zuletzt trockenen Regionen: der Obersteiermark, Teilen Oberösterreichs und dem westlichen sowie nördlichen Niederösterreich. Groß- oder Vollbrände bleiben aber unwahrscheinlich.

Aufgrund der unbeständigen Witterung, der rasch abnehmenden Sonneneinstrahlung und der zunehmend feucht-kühlen Nächte dürfte die Sommerbrandsaison in Österreich demnächst zu Ende gehen. Eine hohe Waldbrandgefahr ist nur noch im Fall einer mehrwöchigen Hochdrucklage im Spätherbst zu erwarten (wie im Jahr 2011 und 2015 der Fall). Ein Rückblick auf den Sommer 2019 folgt Anfang September.

Waldbrände Brasilien

Der nächste Waldbrand-Hotspot findet sich zurzeit im Bereich des Äquators: Im südlichen Amazonasgebiet von Brasilien brennen Tausende Feuer, im Vergleich zum Vorjahr hat sich ihre Anzahl um mehr als 80 % erhöht. Die meisten der Waldbrände sind vermutlich auf Brandstiftung zurückzuführen, etwa durch Bauern, die damit neues Land für ihre Felder gewinnen wollen.

> Bericht zu den Waldbränden in Brasilien auf nzz.ch
 
Das Problem dabei ist nicht nur, dass weite Flächen des größten Regenwalds der Erde, der „Grünen Lunge“ des Planeten, den Flammen zum Opfer fallen. Daneben stellen Rauch und emittierter Feinstaub ein Problem dar und können zu Atembeschwerden und Erkrankungen führen. Durch die Brände werden Tausende Tonnen CO2 freigesetzt - der Regenwald droht von einem CO2-Speicher zu einer CO2-Quelle zu werden.

Zuletzt führt die Zerstörung des Waldes zu unberechenbaren großräumigen Folgewirkungen: Der Amazonas ist durch Verdunstungseffekte der wichtigste Treiber für den Regen in der Region. Es besteht die Gefahr, dass aufgrund der abnehmenden Waldbedeckung im Amazonasgebiet die Niederschläge zurückgehen und vermehrt Dürren auftreten. Dies wiederum erhöht das Potenzial für verheerende Brände; ein Teufelskreis, der massive und weitreichende Folgen haben kann.

Großbrand Gran Canaria

Während die Waldbrandgefahr in Österreich weiterhin überwiegend gering ist, sieht es in Südeuropa anders aus. Speziell rund um das Mittelmeer herrscht hohe Feuergefahr.

Besonders prekär ist die Situation derzeit auf den Kanarischen Inseln. Nach wochenlanger Trockenheit in Verbindung mit Hitze und starkem Wind ist bereits vor zehn Tagen auf Gran Canaria ein großflächiger Waldbrand ausgebrochen. Aktuell wütet ein noch massiveres Feuer, das inzwischen eine Fläche von rund 6.000 Hektar erfasst hat. Durch die meterhohen Flammen, die hohe Hitzeentwicklung und Funkenflug, der zu gefährlichen Sekundärbränden führen kann, ist ein Bekämpfen des Brandes nur schwer möglich.

> Bericht zum Waldbrand auf Gran Canaria, Spanien, auf orf.at

Kanarische Kiefern treiben nach einem Kronenfeuer neu aus | © 2015 Mortimer M. Müller

 
In einigen Medienberichten finden sich Aussagen, die eine „Vernichtung des Waldbestandes“ vermuten lassen. Das stimmt so jedoch nicht. Tatsächlich ist die Hauptbaumart der Kanaren, die Kanarische Kiefer, gut an das Leben mit Waldbränden angepasst - ein Resultat der wiederkehrenden vulkanisch ausgelösten Feuer in den letzten Jahrmillionen. Im Gegensatz zu mitteleuropäischen Kiefernarten treibt sie nach Vollbränden bzw. Kronenfeuern neu aus; und erinnert dabei etwas an eine Klobürste.

Auch wenn Waldbrände auf manche Tier- und Pflanzenarten verheerende Auswirkungen haben können, folgt auch nach intensiven Feuern meist eine rasche Regeneration der Natur. Nicht selten zeigt sich einige Jahre nach dem Ereignis sogar eine höhere Biodiversität als vor dem Brand.

Den gravierendsten Einfluss haben Waldbrände auf die menschliche Bevölkerung: Sei es durch die Vernichtung von Gebäuden, Infrastruktur oder die Gefährdung von Leib und Leben.

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