«

»

Sehr hohe Waldbrandgefahr in Österreich?

Wer in den vergangenen Wochen die Vorhersagen der Waldbrandgefahr von EFFIS oder der ZAMG verfolgt hat, dem wird aufgefallen sein, dass besonders Ostösterreich immer wieder eine sehr hohe oder sogar extreme Waldbrandgefahr aufgewiesen hat. Dennoch sind bis auf einzelne Kleinbrände keine nennenswerten Brandereignisse aufgetreten. Was also steckt hinter der simulierten hohen Waldbrandgefahr und wie sieht es tatsächlich aus?


EFFIS-Warnkarte für den 23.06.2017, grauviolett hinterlegt sind Gebiete mit „extremer“ Waldbrandgefahr
| Darstellung © EFFIS, Karte © OpenStreetMap

 
Zunächst möchte ich auf meinen Beitrag Ende März verweisen, der die Krux mit der Waldbrandgefahr beleuchtet hat. Kurz zusammengefasst kann gesagt werden, dass die zeitweise berechnete sehr hohe Waldbrandgefahr in Österreich nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entsprochen hat. Aktuell ist die Feuergefahr zwar verbreitet erhöht, in einigen Gebieten (etwa Niederösterreich, Mühlviertel oder Osttirol) auch mäßig - „sehr hoch“ aber noch nicht. Dies hat mehrere Gründe.
 
1) Sowohl EFFIS als auch die ZAMG verwenden den kanadischen Fire Weather Index (FWI), ein Waldbrandvorhersageindikator, der für europäische Verhältnisse adaptiert wurde. Dabei fällt auf, dass der Wind eine hohe Bedeutung hat. An stürmischen Tagen liegt der Gefahrenindex oft ein bis zwei Stufen über dem Tag davor oder danach. Dies kann damit begründet werden, dass die Luftbewegung entscheidenden Einfluss auf die Ausbreitungsgeschwindigkeit potenzieller Feuer hat. Der FWI bildet die kumulierte Gefahr von Waldbränden ab, also sowohl das Risiko für die Entstehung, als auch für die Intensität und Ausbreitung. Allerdings werden Waldbrände in Österreich durch die hohe Meldebereitschaft der Bevölkerung und das hervorragend ausgebaute Feuerwehrwesen meist schon in der Entstehungsphase bekämpft. Dadurch kommt eine potenziell hohe Ausbreitungsgeschwindigkeit nicht zum Tragen. Möglicherweise wird der Windeffekt in den verwendeten Algorithmen für mitteleuropäische Verhältnisse auch überbewertet.
 
2) Anknüpfend an den vorherigen Punkt: Die höchste Waldbrandgefahr wird zumeist im äußersten Osten Österreichs simuliert, also im Gebiet vom Weinviertel bis zum Nordburgenland. Dabei handelt es sich um die windigste Region des Landes, womit das erhöhte Feuerrisiko (da eine rasche potenzielle Ausbreitung angenommen wird) nachvollziehbar erscheint. Gleichzeitig ist das Gebiet aber jenes mit der geringsten Waldbedeckung, sodass Brände im Wald an sich selten sind.
 
3) Wie HIER bereits erläutert, werden bei der aktuellen Darstellung der Waldbrandgefahr nur die meteorologischen Bedingungen betrachtet. Andere Faktoren wie Topografie oder Vegetation finden keine Beachtung. Dabei ist gerade die Vegetation entscheidend für die Feuergefahr. Laubwälder brennen seltener als Nadelwälder, südseitige Hänge sind häufiger betroffen als nordseitige. Daneben ist die Vegetationsentwicklung von Bedeutung. Das frische, saftige Grün sorgt von Ende April bis etwa Mitte Juni für eine Abnahme der Waldbrandgefahr durch die geringere Entzündbarkeit und hemmende Wirkung auf die Brandausbreitung. Erst im Hochsommer beziehungswiese mit der ersten Hitzewelle steigt die vegetative Feuergefahr deutlich an.
 
Wie sieht es aus, wenn tatsächlich eine hohe oder sehr hohe Waldbrandgefahr gegeben ist, aber dennoch keine Brände auftreten? 

Erfahrungsgemäß ist das meist nicht der Fall. Eine potenziell gefährliche Lage ist oft auch mit einer Häufung an Waldbränden verbunden. Dazu muss beachtet werden: Wo keine Zündquelle, da kein Feuer. Ohne eine Temperatur über dem Entzündungspunkt (bei Gras und Holz um 250°C) kann kein Feuer entstehen. 85% aller Waldbrände in Österreich sind anthropogenen Ursprungs, werden also direkt oder indirekt durch den Menschen ausgelöst. Solange hier also kein „Input“ stattfindet - oder Gewitter mit Blitzschlag auftreten - gibt es auch keine Brände. Verfolgt man den Gedanken weiter, so kann angenommen werden, dass bei hoher Waldbrandgefahr mehr potenzielle Zündquellen (etwa achtlos weggeworfene Zigaretten, Aschereste oder heiße Katalysatoren) einen Brand auslösen. Die angebliche Feuerentstehung durch Glasscherben oder Blechdosen ist hingegen ein Mythos, siehe HIER.
 
Mit der prognostizierten Hitzewelle in den kommenden Tagen könnte sich das aktuelle Bild ändern. Die Vegetation gerät zunehmend unter Hitzestress, besonders in den trockenen Gebieten (z. B. Waldviertel oder Osttirol) stehen kaum Wasserreserven zur Verfügung. Damit steigt die Waldbrandgefahr tatsächlich auf ein hohes oder sogar sehr hohes Niveau - und Großbrände werden immer wahrscheinlicher. 

Auch bei der derzeit mäßigen Waldbrandgefahr ist Vorsicht geboten, etwa im Zuge der traditionellen Sonnwendfeuer. Bei Wind und in der Nähe von Wald sollte jedenfalls darauf verzichtet werden.