Lokal hohe Waldbrandgefahr
Seit mehreren Wochen warnen unterschiedliche Stellen aufgrund der Trockenheit in Österreich vor einer „hohen Waldbrandgefahr“. Doch bislang war das nur ganz vereinzelt der Fall – etwa zu Beginn des Großbrands im Lesachtal Ende April. In den nächsten Tagen wird das Zusammenspiel aus Wind und Vegetation entscheidend für eine hohe Waldbrandgefahr.
Weshalb die Waldbrandgefahr bislang überwiegend gering bis mäßig war (Gefährdungsstufe 2 bzw. 3 von 5), ist HIER und HIER näher beschrieben. Wichtig dabei: Die Wissenschaft beschreibt die kumulative Waldbrandgefahr, also die Kombination aus Entstehungsgefahr, einer raschen Feuerausbreitung und hohen Brandintensität. Brände mit einem „aggressiven“ Brandverhalten stellen die größten Herausforderungen dar, verursachen die meisten Schäden und sind gefährlich für die Einsatzkräfte sowie angrenzende Siedlungsräume und Infrastrukturen.
In Laub- und Mischwäldern ändert sich mittelfristig wenig an der geringen bis mäßigen Brandgefahr. Das gilt auch für Wiesen- und Strauchflächen. Die Hauptgründe sind der Vegetationsaustrieb bis in Mittelgebirgslagen sowie die schlechtere Brennbarkeit von Laubgehölzen und frischem Grün. Zwar sind auch hier – etwa bei einer dicken Altlaub-Schicht aus dem Vorjahr – ausgedehnte Bodenfeuer möglich, aber gefährliche Kronenfeuer bleiben unwahrscheinlich.
Die allgemeine Trockenheit spitzt sich derzeit zu, regional liegen die Jahresniederschlagsmengen im Bereich der geringsten Summen seit Beginn der Aufzeichnungen – etwa im Lungau, in der mittleren Steiermark, in Teilen Kärntens sowie in den nördlichen Gebieten von Ober- und Niederösterreich. Und hier befinden sich auch die am höchsten gefährdeten Waldgebiete: Nadelholzdominierte Bestände, besonders solche auf südexponierten Hängen. Auch Kahlschlag‑, Windwurf- und Borkenkäferflächen kennzeichnen Hotspot-Gebiete, wie das Beispiel Lesachtal eindrucksvoll gezeigt hat – wobei hier vor allem die Gefahr einer raschen Brandausbreitung besteht.
Der Grund für die (lokal) hohe Waldbrandgefahr in den nächsten Tagen ist der Wind. Durch eine Abfolge von Föhnereignissen und schleifenden Frontensystemen mit Druckwellen (= Luftdruckanstieg in Verbindung mit Wind/Sturm) ergeben sich gefährliche Starkwindereignisse, die zu einer raschen Brandausbreitung und Kronenfeuern führen können. Gleichzeitig sind aus jetziger Sicht nur in Vorarlberg, Teilen Tirols und Kärntens relevante Niederschläge zu erwarten. Und: Durch die labile Luftschichtung bilden sich vereinzelt Gewitter – damit wird der Brandauslöser „Blitzschlag“ speziell in den trockenen Nadelwaldgebieten relevant.
Zusammengefasst ist anzunehmen, dass in den nächsten Tagen in den oben genannten Gebieten bzw. in Nadelwäldern eine hohe Waldbrandgefahr (Stufe 4 von 5) vorherrschen wird, wobei im Brandfall großflächige Brände und gefährliche Kronenfeuer auftreten können. Aus heutiger Sicht sind flächendeckende, ergiebige Niederschläge bis Mitte Mai unwahrscheinlich, die Trockenheit und Brandgefahr bleiben damit bestehen.
