Fragen & Antworten

WALDBRÄNDE allgemein
 
# Was ist ein Waldbrand und wie wird er definiert?
Ein Waldbrand ist ein unkontrolliertes Feuer in einem Waldgebiet oder in einem mit Bäumen bewachsenen Gebiet (auch auf einer Kahlschlag- oder Jungwuchsfläche), unabhängig von der Ursache oder Flächengröße. Im englischsprachigen Raum hat sich statt „forest fire“ der Begriff wildfire durchgesetzt, womit auch Brände in Buschlandschaften, auf landwirtschaftlichen Flächen und Wiesen inkludiert sind. In der deutschen Sprache gibt es keine passende Analogie dazu. Nähere Informationen zur Problematik der Definition von Waldbränden finden sich HIER.
 
# Welche Arten von Waldbränden gibt es?
Man unterscheidet drei Brandtypen: 1) Erdfeuer oder Humusbrand 2) Lauf- oder Bodenfeuer 3) Kronen- oder Vollfeuer. Diese Brandarten können auch gemeinsam auftreten. Eine einheitliche Definition existiert allerdings nicht. Manchmal werden auch Stammfeuer extra geführt oder man unterscheidet zwischen Kronenfeuer (damit ist dann das Aufflackern vereinzelter Bäume gemeint) und Vollfeuer, wenn der gesamte Bereich vom Erdboden bis zu den Baumwipfeln in Flammen steht. Ein Vollfeuer kann auch als Kombination von Lauf- und Kronenfeuer bezeichnet werden. Ein reines Kronenfeuer - also ohne Lauffeuer darunter - tritt nur in Verbindung mit extremen Wetterbedingungen auf und ist unter mitteleuropäischen Verhältnissen auszuschließen.
 
# Wodurch werden Waldbrände ausgelöst?
Hauptverursacher von Wald- und anderen Vegetationsbränden ist der Mensch. Weltweit gesehen gehen rund 95% aller Brände direkt oder indirekt auf den menschlichen Einfluss zurück. Während in den Tropen gezielte Brandrodung eine entscheidene Rolle spielt, werden in Südeuropa oft Brandstiftungen vermutet. Generell stellen achtlos weggeworfene Zigaretten, Lagerfeuer oder Abbrennarbeiten eine potenzielle Gefahr dar. Ebenso können Feuer durch gerissene Stromleitungen, Funkenflug bei Zügen, heiße Asche, Silvesterraketen oder im Zuge von Militärübungen entstehen. Auch Blitzschlag ist als Auslöser von Waldbränden relevant und kann ich manchen Regionen - etwa im nördlichen Kanada - der Hauptverursacher von Waldbränden sein. In Österreich werden 15% aller Waldbrände von Blitzschlägen ausgelöst.
 
# Können Glasscherben oder -flaschen Waldbrände auslösen?
Sehr wahrscheinlich nicht. Entsprechende Untersuchungen haben gezeigt, dass die auftretenden Temperaturen nicht für eine Entzündung ausreichen. Dazu kommen Faktoren wie die Trübung und Verschmutzung der Flaschen und Glasreste oder ein suboptimaler Abstand zum entzündbaren Material. Zumindest in gemäßigten Breiten sind Feuer durch Glasscherben höchst unwahrscheinlich. Nähere Informationen zur Krux mit den Glasscherben finden sich HIER.
 
# Wo gibt es die meisten Wald- und Flurbrände auf der Welt?
Die meisten Feuer pro Jahr gibt es in den wechselfeuchten Tropen, aber auch in trockenen Steppengebieten. Der menschliche Einfluss, respektive gelegte Brände, spielen hier eine große Rolle. In der Taiga des Nordens wüten ebenfalls regelmäßig großflächige Waldbrände. In der subarktischen Tundra treten Erdfeuer bzw. Humusbrände auf, die im Extremfall Jahre andauern, da sie auch unter einer Schneedecke weiterschwelen können. Daneben sind einige Gebiete in Kalifornien, Chile, Australien oder das Mittelmeergebiet als „Feuer-Hotspots“ zu bezeichnen.
 
 
WALDBRÄNDE in Österreich
 
# Wie viele Waldbrände gibt es pro Jahr in Österreich?
Im Schnitt der vergangenen Jahre wurden etwa 200 Waldbrände jährlich gezählt. Die meisten der Feuer bleiben klein und können von den Feuerwehren rasch gelöscht werden, fast jedes Jahr treten aber auch Waldbrände mit mehreren Hektar Brandfläche auf. Die Bekämpfung großflächiger Waldbrände kann viele Tage andauern und hohe Kosten bei der Brandbekämpfung und der Nachbehandlung von geschädigten Flächen verursachen.
 
# Wo gibt es die meisten Waldbrände?
Die größte Dichte an Waldbränden findet man im südlichen Niederösterreich im Bereich der Schwarzkiefernwälder, aber auch an den Hängen des Inntals um Innsbruck. Daneben sind einige Regionen von Kärnten und der Steiermark besonders häufig von Waldbränden betroffen. Weniger oft brennt es in Vorarlberg, Salzburg, Oberösterreich und dem Burgenland. Aber selbst in Wien treten immer wieder Waldbrände auf - etwa in der Lobau oder im Wienerwald bei Liesing.
 
# Was sind die Ursachen für Waldbrände?
Die häufigste Brandursache von Waldbränden ist Österreich sind achtlos weggeworfene Zigaretten. Rund ein Viertel aller Waldbrände der letzten Jahre dürfte auf Glimmstängel zurückzuführen sein. Daneben spielen außer Kontrolle geratene Feuer eine wichtige Rolle. Ebenso relevant sind Brandstiftung (ca. 15% in den letzten Jahren), heiße Asche, Funkenflug von Zügen, gerissene Stromleitungen, Lager- oder Sonnwendfeuer und Silvesterraketen. Auch Militärübungen lösen immer wieder Brände aus. Die einzig relevante natürliche Ursache von Waldbränden in Österreich sind Blitzschläge. 15% aller jährlichen Waldbrände sind auf Gewitteraktivität zurückzuführen. In den Sommermonaten kann der Anteil bis zu 50% betragen.
 
# Wann treten die meisten Waldbrände auf?
In der Regel gibt es in Österreich zwei Brandspitzen. Die erste tritt im März und April auf, die zweite im Juli und August. Im Frühjahr fängt zumeist die trockene Streu oder das Altgras des Vorjahres Feuer, während im Sommer die Vegetation bei Hitzewellen und Dürreperioden ausgetrocknet sein kann. Mitunter gibt es einen weiteren Peak bei der Häufung von Bränden im Spätherbst oder Winter - so wie beispielsweise Ende 2015 geschehen, als nach wochenlanger Trockenheit Dutzende Waldbrände verzeichnet wurden.
 
# Können Waldbrände in Österreich so dramatische Ausmaße annehmen, wie es in den letzten Jahren z. B. in Portugal oder Kalifornien geschehen ist?
Das ist derzeit unwahrscheinlich. Die Waldstruktur ist in Österreich durch die kleinflächige Parzellierung sehr heterogen, potenzielle Feuer geraten immer wieder an natürliche, brandhemmende Barrieren. Auch wird der Wald in Österreich gut durch Forststraßen erschlossen, die eine rasche und effektive Brandbekämpfung ermöglichen. Daneben ist das Feuerwehrwesen in Österreich eines der besten und schlagkräftigsten der Welt. Die meisten Waldbrände können noch in der Entstehungsphase bekämpft und unter Kontrolle gebracht werden.
 
Weitere Informationen und Statistiken zu Waldbränden in Österreich, finden sich auf der Seite des Instituts für Waldbau, Universität für Bodenkultur Wien.
 
 
WALDBRANDdokumentation
 
# Seit wann werden Waldbrände in Österreich erhoben?
Bereits vor und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden von Dr. Walter Grabherr Erhebungen und Untersuchungen zu Waldbränden in Österreich durchgeführt. Später gab es keine vollständige Dokumentation mehr. Vielfach wurden nur noch Einzelerhebungen und spezifische Sukzessionsstudien durchgeführt (etwa nach dem Brand 1998 im Naturwaldreservat Potokkessel, Kärnten). Erst seit 2008 werden sämtliche Waldbrände in Österreich am Institut für Waldbau, Universität für Bodenkultur Wien, erfasst. Inzwischen erstreckt sich die Datenreihe über mehr als 200 Jahre, wobei ab 1993 eine umfassende Dokumentation vorhanden ist. Die öffentlich zugängliche Waldbrand-Datenbank Österreich ermöglicht die Abfrage der erhobenen Daten sowie die Erstellung von Statistiken und Grafiken.
 
# Kann ich mir bekannte Waldbrände in Österreich melden?
Ja. Am einfachsten ist die Nutzung des Waldbrand-Formulars auf unserer Seite fire.boku.ac.at. Unter dem Menüpunkt WALDBRANDmeldung können Informationen und Bildmaterial aktueller oder historischer Wald- und Flurbrände an uns weitergeleitet werden.
 
 
WALDBRANDgefahr
 
# Wann ist die Waldbrandgefahr besonders hoch?
Eine hohe Waldbrandgefahr tritt jedenfalls dann auf, wenn eine lange Trockenperiode in Verbindung mit überdurchschnittlich hohen Temperaturen und starker Wind (z. B. Föhn) zusammentreffen. In diesem Fall ist nicht nur die Entstehungsgefahr von unkontrollierten Feuern hoch, sondern auch die Ausbreitungsgefahr. Gefährliche Kronenfeuer/Vollbrände können die Folge sein.
 
# Was bedeutet eine „hohe“ Waldbrandgefahr?
Grundsätzlich meint eine hohe Brandgefahr, dass die Vegetation derart trocken ist, dass die Glut einer Zigarette ausreichen kann, um einen verheerenden Waldbrand zu entfachen. Allerdings beruht die Feuergefahr auf verschiedenen Faktoren, etwa dem aktuellen und vergangenen Wettergeschehen, der Bodenfeuchtigkeit sowie Art und Zustand der Vegetation, der Topografie und dem Einfluss des Menschen. Zudem muss zwischen der Entstehungsgefahr und der Ausbreitungsgefahr unterschieden werden. In den meisten derzeit verfügbaren Systemen zur Abschätzung der Waldbrandgefahr wird nur die Meteorologie bzw. die Entstehungsgefahr berücksichtigt. Zudem ist die räumliche Auflösung ungenügend, um die tatsächliche Feuergefahr in einem heterogenen Bergland wie Österreich abzubilden. Die Problematik der Abschätzung der Waldbrandgefahr haben wir HIER ausführlich behandelt. In naher Zukunft soll im Rahmen verschiedener Projekte ein verbessertes Waldbrand-Vorwarnsystem entstehen.
 
 
WALDBRANDvorbeugung
 
# Wie können Waldbrände verhindert werden?
Um einer Entstehung und Ausbreitung von Waldbränden vorzubeugen, gibt es verschiedene Methoden und Herangehensweisen. Langfristig wird oft eine Veränderung der Vegetationszusammensetzung forciert, indem beispielsweise mehr Laubhölzer einbracht werden. Weitere Strategien sind eine verstärkte Waldpflege (z. B. Entfernung von Schlagmaterial) oder das gezielte Anlegen von Brandschutzstreifen. In besonders brandgefährdeten Gebieten - etwa entlang von Bahntrassen - kann zudem ein gezieltes und kontrolliertes Abbrennen der Niedervegetation stattfinden, wie es jedes Jahr im südlichen Niederösterreich durchgeführt wird. Daneben sind Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung der Bevölkerung wichtige Aspekte, um der Entstehung von Waldbränden vorzubeugen. Mehr Informationen zu Waldbrandvorsorge und -management finden sich im Handbuch Waldbrand der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Deutschland.