Sommer der Extreme
Der Sommer 2026 war in Österreich der wärmste seit Messbeginn, außerdem einer der fünf trockensten. Die Kombination aus Dürre, geringer Luftfeuchtigkeit, Hitze, Blitzaktivität und menschlichen Brandursachen führte zur größten Anzahl an Waldbränden und der größten Waldbrandfläche seit zumindest 30 Jahren sowie zu einem in Österreich noch nicht beobachteten, extremen Brandverhalten.
Besonders im Osten und Süden des Landes setzte sich die Frühjahrsdürre fort, teilweise blieb es im Sommer über Wochen komplett trocken. In Kombination mit mehreren Hitzewellen über 40°C und teilweise extrem geringer Luftfeuchtigkeit kam es zu mehreren außergewöhnlichen Großbränden. Dabei wurden selbst in Laubwaldbeständen hohe Brandintensitäten verzeichnet, wie sie bereits 2024 in Gänserndorf beobachtet werden konnten.
Extrem war einerseits die Anzahl an Waldbränden. Mit Stand heute (04.09.2026) sind von Juni bis August 244 Waldbrände registriert worden – das sind deutlich mehr, als in einem durchschnittlichen Waldbrandjahr insgesamt in Österreich auftreten, und die größte Anzahl an Sommerbränden seit zumindest 30 Jahren. Mehr als 130 diese Waldbrände (> 50%) wurden durch Blitzschläge ausgelöst; auch das ein neuer Rekord.
Andererseits war seit mehr als 30 Jahren im Sommer noch nie eine so große Waldfläche von Feuer betroffen. Wenigstens 208 Hektar (zwei Quadratkilometer) wurden erfasst. Gemeinsam mit der ebenfalls außergewöhnlich intensiven Frühjahrsbrandsaison beträgt die Gesamtbrandfläche dieses Jahr bereits über 400 Hektar – nach 2022 (560 ha) der zweithöchste Wert in mehr als dreißig Jahren.
Die meisten Blitzschlagbrände ereigneten sich in Westösterreich oder inneralpin. Durch die dort wiederkehrenden Niederschläge durch Schauer und Gewitter sowie meist windschwache Bedingungen blieben sie überwiegend kleinflächig. Allerdings waren viele dieser Brände schwer zu löschen, da sie sich durch die langfristige Trockenheit in tiefere Bodenschichten ausbreiten konnten und sich zu intensiven Glimmbränden entwickelten.
Mit knapp 60 Waldbränden gab es einmal mehr in der Steiermark die meisten Feuer im Wald. Dahinter folgten Niederösterreich (48) und Tirol (37). Die mit Abstand größte Waldbrandfläche wurde durch mehrere Großbrände in Niederösterreich verzeichnet.
Die zwei größten und intensivsten Waldbrände ereigneten sich im Abstand von zehn Tagen im Föhrenwald zwischen Neunkirchen und Wr. Neustadt im südlichen Niederösterreich, ausgelöst durch Weltkriegsmunition. Durch die enorme Trockenheit, eine sehr geringe Luftfeuchtigkeit, hohe Temperaturen und Windeinfluss entwickelten sie ein außerordentlich intensives Brandverhalten. In beiden Fällen trat aktives Kronenfeuer mit starkem Funkenflug auf – sogenannte Flugfeuer (engl. „Spotfire“).
Im Fall des ersten Brandes bildete sich eine Pyrocumuluswolke aus und es waren Anzeichen eines beginnenden Feuersturms zu erkennen; was in Österreich noch nie dokumentiert werden konnte. Beim zweiten Brand mussten 250 Personen aus ihren Häusern evakuiert werden und es kam zu Sekundärbränden vermutlich über mehrere Kilometer – möglicherweise die weiteste jemals aufgetretene Flugfeuer-Distanz in Österreich.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der heurige Sommer nicht nur aus Sicht der hohen Temperaturen und Trockenheit, sondern auch in Hinblick auf das Waldbrandgeschehen für österreichische Verhältnisse extrem war. Sollte der Klimawandel wie bisher voranschreiten, könnten solche Bedingungen bereits in zwanzig, dreißig Jahren die Regel werden, womit eine weitere Intensivierung des Waldbrandregimes auch in Österreich wahrscheinlich ist.




